Nora May Klumpp | Clemencia Labin | Maria Tobiassen

"VARIANZ"
Kuratiert von Fernando de Brito

4. Dezember 2010 - 27. Januar 2011

Muss alles verständlich sein, was zusammengehört? Ist nicht das Maß der Abweichung vom Erwartbaren das, was in der Kunst interessiert?

Sehnsüchte…

„I am not a plastic bag” – unter diesem Motto entwarf 2007 die bekannte britische Designerin Anya Hindmarch eine Leinentasche, die in limitierter Auflage für £5 weltweit auf den Markt kam – und innerhalb eines Tages ausverkauft war. Lange Warteschlangen hatten sich vor den Läden gebildet wie man sie eigentlich aus Ländern mit Mangelwirtschaft kennt. Bis heute wurden vielfältige Kopien produziert, die zu deutlich höheren Preisen verkauft werden.
Sehnsucht nach Ikonen, die Absurdität künstlicher Verknappung, die ja auch am Kunstmarkt eine entscheidende Rolle spielt… - Nora May Klumpps Inszenierung spielt mit diesen Faktoren und präsentiert verschiedene Modelle des Kultproduktes zusammen mit einer eigenen „Fälschung“.

Clemencia Labin deckt einen Tisch voller lebensfroher plastischer Objekte, die mitten im Winter die Sehnsucht nach sommerlich Floralem bedienen. „Collección MD“ nennt Labin diese Inszenierung. Unbeschwert und spontan balancieren die einzelnen „Bouquets“ zwischen kunstvollem Objekt und munterem Spiel, zwischen Figuration und Abstraktion.
Kleine Preziosen, sinnlich verführerisch in Form und Farbe – maßlos, wie unkontrolliert aufbrechende Knospen, in immer neuen Variationen, schwellend, wulstig, körperhaft. Diese wuchernden Organismen sind nüchtern konfrontiert mit hölzernem Küchengerät - und schrägen Vasen. Ersatzlockstoff mit Bodenhaftung.

Maria Tobiassen inszeniert für die Ausstellung einen Wartebereich, der wie eine bunte Südseekulisse daherkommt: Unter künstlichen Palmenzweigen kann man in Campingstühlen Platz nehmen und zum Zeitvertreib in den ausgelegten Zeitschriften blättern. Die Zeichnungen an den Wänden zeigen exotische Vögel und Pflanzen. Man wartet mit Wartemarken am Strand – aber worauf eigentlich? Die Atmosphäre der Scheinidylle kollidiert sukzessiv mit den Attributen bürokratischer Konsolidierungspraxis und potenziert so die Sehnsucht nach wirklicher Idylle. Der Wartebereich als Surrogat, das letztlich nur sich selbst versprechen kann: Man wartet, um zu warten...

Nora May Klumpp (*1981 in Bremen) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Prof. Wiebke Siem, Prof. Jochen Hiltmann und Prof. Stanley Brouwn. Nora May Klumpp lebte und arbeitete in New York, Madrid und Stockholm, bevor sie sich in ihrer Wahlheimat Hamburg niederließ.
Nach einem Wirtschaftsstudium an der Columbia Universität in New York studierte Clemencia Labin (*in Maracaibo, Venezuela) Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Kai Sudeck, Franz E. Walther und Sigmar Polke. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen. Clemencia Labin lebt und arbeitet in Hamburg.

Maria Tobiassen (*1982 in Wilhelmshaven) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Prof. Wiebke Siem, Prof. Eran Schaerf und Prof. Michael Lingner. Sie erhielt Stipendien der Sammel- und der Karl H. Ditze-Stiftung. Tobiassen lebt und arbeitet in Hamburg.