BODO BAUMGARTEN

MALEREI DÉCOUPÉ
gestreicheltgeprügeltgeschnittengeöffnet

04. Februar - 17. März 2012

„Wirklichkeiten schaffen über autonome Bildgestaltung. Körper – Bildkörper, der im Tun wächst und einschließlich aller Störungen am Schluss sich zu etwas Ganzen verdichtet.“ (Bodo Baumgarten in: Bodo Baumgarten. Beim Aktzeichnen, Museum St. Wendel, 2006)

Die künstlerische Welt Bodo Baumgartens ist eine Herausforderung an den Betrachter. Ohne Rücksicht auf den mainstream der zeitgenössischen Kunst bricht Baumgarten mit Sehgewohnheiten. Eine Papierarbeit verlässt die Fläche, die klassische rechteckige Bildform findet nur dann Verwendung, wenn sie Baumgarten als Außenform um einen Bildkörper stimmig erscheint. Papier wird bemalt, gerissen, geschnitten, gefaltet, zusammengesetzt, mit Silikon überzogen oder von eigens auf die Form des Bild-Gebildes rekurrierende Rahmen gefasst. Formen aus dickem, mit pigmentiertem Silikon farbig überzogenem Nadelfilz werden ineinander gesteckt, verschlungen und zu figuralen Konstellationen im Raum verspannt.

Baumgartens Arbeiten sind Resultat eines offenen Prozesses, einer Orientierung im Handeln selbst. Ausgangspunkt der Arbeiten Bodo Baumgartens ist die erlebte Realität. Oft malt er direkt in der Natur. Dennoch sind seine Arbeiten nicht Abbild der Natur, ebenso wenig Abstraktion des Gesehenen. Im Verlauf seines künstlerischen Handelns verschmilzt Baumgarten die Realitätsfragmente zu einem neuen, eigenen Erfahrungszusammenhang.

Das war nicht immer so. In den 60er und 70er Jahren suchte Baumgarten die Lösung für seine künstlerischen Fragestellungen in der konkreten Kunst. Zwar waren auch hier schon „die Erscheinungen, die ich um mich herum finde,“ (Baumgarten, 1969) Ausgangspunkt seiner Arbeiten, aber es galt ihm die Rückführung auf ihre Grundformen als Katalysator für einen sensuellen Erkenntnisgewinn.

Anfang der 80er Jahre dann die Zäsur in seinem Werk: Es „…kam mir das Verlangen, die Welt der konkreten Körper, die durch Malerei ins Unbestimmbare oder Assoziative aufgeladen werden konnten, zu verlassen. Das Pendant wurden die Erscheinungen meiner Umwelt - verwirrend in der Vielfalt der Deutbarkeit und geradezu ein Kosmos, was das Umsetzen zu einem abstrakten Gebilde anging. (…)Vorzeichen waren: Vom Allgemeinen zum Persönlichen, vom Verbleibenden zum Vorübergehenden, vom Stillen zum Lebendigen, vom architektonischen Sehen zur Figur.“ (Bodo Baumgarten in: Gudrun von Leitner „Von Schwelle zu Schwelle“ / Bodo Baumgarten „Valeurs im Raum“ - Malerei. Hamburg 2003)

Als wirklicher Bruch ist diese Zäsur jedoch nicht zu verstehen. Farbe und Raum – sich wechselseitig verstärkend - waren und sind zentrale Aspekte seines Kunstschaffens. Schon in der Zeit, in der sich Bodo Baumgarten mit der geometrischen Formenwelt auseinandersetzte, war seinen Arbeiten eine spielerische Komponente existenzieller Art eigen. Die Kontinuität seines künstlerischen Schaffens zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sich dieser prozesshafte Umgang mit den Materialien bis in die späteren Arbeiten mit ihren Techniken der ständigen Verwandlung und Transformation durchhält. Abschließend ist festzustellen: Die Vorzeichen der konkreten Kunst, nämlich einen eigenständigen Bildkörper zu schaffen, wurden nicht verlassen. Die Ausdehnung auf alle Erlebnisbereiche – Natur, Vorstellung, Bild – konnte malerische Antworten entwickeln.

„Aus Festigkeit wird Festlichkeit“ (Baumgarten, 2007)

Die Ausstellung zeigt neben den aktuellen Arbeiten des Künstlers auch Werke früherer Schaffensperioden.

Bodo Baumgarten (*1940 in Gotenhafen/Gdinia) studierte freie Malerei an der Werkkunstschule Kiel und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Domke, Brockmann, Grimm und Graubner. Umzug nach Köln.

Baumgarten erhielt in den 70er Jahren den Förderpreis der Akademie der Künste Berlin und war Stipendiat des Lichtwarkpreises, Hamburg. 1986 dann Stipendium des Kunstfonds Bonn.
Von 1989-2006 war er Professor für freie Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken.
Zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und international. Seine Arbeiten sind in wichtigen Sammlungen vertreten, wie z.B. Nationalgalerie Berlin, Kunstmuseum Düsseldorf, Hamburger Kunsthalle, Sprengel Museum Hannover, Staatsgalerie Stuttgart u.a.

Bodo Baumgarten lebt und arbeitet in Hamburg, Köln, Paris, Scharbeutz und Athen.