Karin Marquardt
Uta Katharina Rumohr

»law and order«

Malerei, Zeichnung und Papierarbeiten

12. Januar bis 9. Februar 2008

Schaut man in die Skizzenbücher und Vorarbeiten der beiden Künstlerinnen Karin Marquardt und Uta Katharina Rumohr, so können diese unterschiedlicher kaum sein. Die Eine stellt genaue Berechnungen an, probiert systematisch Reihen durch, beobachtet Gesetzmäßigkeiten und logische Folgen. Die Andere sammelt Photographien aus Zeit-schriften, skizziert Gesehenes und setzt Farbwerte gegeneinander. Und doch ist den gültigen Arbeiten beider Künstlerinnen am Ende Ordnung, Strenge und Konsequenz eigen, eine malerische Auseinandersetzung jenseits der Gegenständlichkeit, konzentriert auf Harmonie und/oder deren Brüchigkeit. Das Diktum Max Bills zur Konkreten Kunst, nämlich „(…) gegenstände für den geistigen gebrauch zu entwickeln, ähnlich wie der mensch sich gegenstände schafft für den materiellen gebrauch […]“ treibt auch diese beiden Künstlerinnen voran. Aber sie tun dieses auf sehr unterschiedlichen Wegen.

Die Arbeit Karin Marquardts ist den Ideen der konstruktiven Kunst stärker verpflichtet. Auf der Suche nach einer Allgemeingültigkeit und der damit verbundenen - wie Mondri-an es ausdrückt - “ästhetische(n) Vision des Universalen“ entwickelt Marquardt Bilder von rationaler Gestaltungskraft. Ihre Arbeiten zeigen systematische Reihen und Anord-nungen frei von jedem Bezug auf eine individuelle Erfahrungswelt. Sie bündeln sich zu ruhigen, harmonischen, fast meditativen Strukturen. In ihrer aktuellen Werkgruppe konzentriert Marquardt sich fast ausschließlich auf diese rationalen Anordnungen und löst sich sogar von der für sie sonst so typischen kräftigen Farbigkeit. Meist nur mit Bleistift ausgeführt, überziehen Striche, Kreise und Parabeln wie ein fremdartiges Zei-chensystem die zumeist graustufig grundierte Leinwand. Der leichte und freihand gezo-gene Bleistiftstrich macht das Bild lebendig, lockert die strenge Perfektion der Systeme auf, macht sie sensibel, zart und zerbrechlich.

Ganz anders die Herangehensweise Uta Katharina Rumohrs. Sie greift Zeitungsphotos, Videoclips oder Filme auf, benutzt ihre Erinnerungen an Situationen oder Orte. Aber auch ihre Bilder sind keine Abstraktionen des Gesehenen. Rumohr übersetzt ihre persön-lichen Erfahrungen in nichts als individuelle Farbeindrücke. „Es geht um die Wahrneh-mung des Gesehenen und das Sichtbarmachen des Nichtsagbaren oder Nichtaussprech-baren“, so Rumohr. Nichts erinnert fassbar an ein Vorbild oder eine reale Situation und doch hat jedes ihrer Bilder seine eigene Atmosphäre. Die Dinge erscheinen in einem anderen, einem verallgemeinerbaren Zustand. Uta Katharina Rumohr nutzt konstruktive Prinzipien, legt Farbstreifen oder -kreise auf die Leinwand. Durch die Farbwahl und die Anordnung der Streifen entstehen Rhythmen und Spiegelungen, kommt es zu Harmonien oder Kollisionen, schmiegen sich Farben aneinander oder beginnen zu pulsieren.

Diese unterschiedliche Herangehensweise der beiden Künstlerinnen spiegelt sich auch darin, dass Uta Katharina Rumohr ihren Arbeiten stets assoziative Bildtitel gibt, die den Betrachter auf eine Reise schicken, während Karin Marquardts Bilder stets ohne Titel bleiben und die kontemplative Erfahrung des Betrachters zu provozieren suchen. Beiden Künstlerinnen gemein ist jedoch der Versuch, eine Balance zwischen Ratio und Emotion zu schaffen.