Martin Meiswinkel

in lunar horizons

11. September - 23. Oktober 2010

Ein sonniger Tag am See – Strukturen unter Wasser und Spiegelungen auf dessen Oberfläche. Der Wind bringt die Oberfläche des Wassers nur leicht in Bewegung und schon gerät alles durcheinander, wird verzerrt und verbogen. Die Strukturen des Oben und des Unten sind nicht mehr eindeutig zuzuordnen, durchdringen sich gegenseitig, die Eben geraten außer Kontrolle.
So in etwa ergeht es dem Betrachter mit den Arbeiten von Martin Meiswinkel. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind am Computer generierte, ornamental eingesetzte Grundelemente. Ob stilisiert floral oder aus einer geometrischen Form gewonnen, durchziehen diese Gebilde in rythmischer, fast dekorativer Wiederholung rankenhaft den Bildraum. Mit Hilfe von Verzerrungen, gezielter Farbanordnung und illusionistischen Perspektiven überschreiten die Elemente die von Meiswinkel angelegten Bildebenen, ohne sich zu diesen Ebenen jedoch eindeutig zu verhalten. Vielmehr wird der Betrachter durch die scheinbare Bedeutung der sich wiederholenden, durch den Bildraum führenden Formen dynamisch in diesen hineingezogen, um dann schnell die Kontrolle über die eigene Positionierung einzubüßen und sich in der Widersprüchlichkeit der räumlichen Konstruktion zu verlieren.

Meiswinkel baut seine Arbeiten in dünnen, lasierenden Schichten auf und reagiert mit jeder Schicht formell und farbperspektivisch auf das bereits Entstandene. Der Farbauftrag reicht von transparent bis flächig opak, mal ist die Oberfläche delikat fein, mal belässt Meiswinkel deutliche Pinselspuren. Die Malerei scheint über den Bildrand hinauszugreifen und spielt so mit dem potentiell endlosen Charakter von Ornament.
In dem Zusammenspiel von formaler Strenge und dynamisch sich ausbreitender Bildenergie liegt der besondere Reiz. Obwohl Meiswinkel uns mit den ornamentalen Elementen und einem formal klaren Bildaufbau zunächst eine Scheinordnung suggeriert, erweist sich am Ende des Sehprozesses die gesamte Bildstruktur als kontingent und hinterlässt den Betrachter in nachhaltiger Verwirrung.

Martin Meiswinkel (*1973 in Tübingen) studierte an der Kunstakademie Münster bei Heinz Breloh und Ulrich Erben und am Chelsea College, London. Seit 2010 lebt und arbeitet er in Berlin.