HAGEN STIER

CITYHOF

Fotografie
8. Juni - 7. Juli 2012
Eine Ausstellung im Rahmen des Hamburger Architektur Sommers 2012

Die Ausstellung CITYHOF zeigt eine im Jahr 2009 entstandene fotografische Bestandsaufnahme des gleichnamigen Bürohaus-Ensembles in der Hamburger Innenstadt. Die vier 1956 durch den Architekten Rudolf Klophaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof erbauten Hochhausscheiben waren seinerzeit Hamburgs erste Bürohochhäuser nach dem Krieg.

An prominenter Stelle errichtet und mit hellen Leca-Fassaden-Platten verkleidet – signalisierten sie weithin sichtbar den optimistischen Ausblick in eine hoffnungsvolle Zukunft und kennzeichnen gleichzeitig den Beginn der heute retrospektiv gemeinhin als „Nachkriegsmoderne“ bezeichneten Epoche.

Das Interesse des in Hamburg lebenden Architekten und Fotografen Hagen Stier wurde erstmals auf den City-Hof gelenkt, als dessen Abriss bereits beschlossene Sache zu sein schien. Dabei spielen das Image und heutige Erscheinungsbild des Ensembles eine ganz entscheidende Rolle.

Mittlerweile durch graue Eternit-Platten verkleidet und deutlich gealtert – haben die vier Gebäude und die sie verbindende Ladenpassage eine weit weniger optimistische Wirkung auf den Passanten. Spricht man Hamburger auf den „City-Hof“ an, erntet man nicht selten Achselzucken, wohingegen jeder gleich weiß, worum es geht, wenn man die „hässlichen grauen Klötze am Hauptbahnhof“ erwähnt.

Dieses Schicksal einer nachträglichen unsensiblen Überformung teilen zweifelsohne viele Gebäude aus den 1950er und 60er Jahren. Was den City-Hof in dieser Hinsicht jedoch so speziell macht, ist sein prominenter Standort innerhalb der Hamburger Innenstadt, den man nicht erst seit deren Erweiterung in Richtung HafenCity als „Sahnestück“ bezeichnen kann.

In der Peripherie würde man „so etwas“ erwarten, nicht aber zwischen Hauptbahnhof, Kunstmeile und dem Ensemble Kontorhausviertel, dessen architektonische Heiligsprechung in Form einer Eintragung in die Weltkulturerbeliste der UNESCO derzeit diskutiert wird. Inmitten der Highlights also und mehr oder weniger als das Tor zur neuen HafenCity dämmert der City-Hof in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin.

Besonders eindrücklich wird dies beim Betreten der Ladenpassage in der Sockelzone, die sich entlang der abfallenden Geestkante langsam in Richtung Elbe hinabtreppt. Hier scheint die Zeit seit Jahrzehnten stillzustehen. Die im Innern vorgefundenen fast szenografischen Raumqualitäten stellen den Ausgangspunkt der vorliegenden fotografischen Serie dar, die einen besonderen Fokus auf die Passage legt.

Mit seinen großformatigen Fotografien, die auf den ersten Blick scheinbar wertungsfrei die vorgefundenen Räume abbilden, versucht Hagen Stier die Essenz des Ortes zu Tage fördern. Die Intention des Fotografen ist es dabei auch, das Publikum für einen Ort zu sensibilisieren, der sich zwar im Innersten der Stadt, aber dennoch nur am Rande der Wahrnehmung befindet.

In diesem Sinne stellt es einen besonders glücklichen Umstand dar, dass die Ausstellung in der Galerie Carolyn Heinz gezeigt wird, befindet sich diese doch im Galeriehaus Hamburg, welches dem City-Hof direkt gegenüber liegt.