Martin Meiswinkel

ANORDNUNGEN

Eröffnung: 21. September, 19 Uhr
21. - 30.09. 2017

In seiner bereits sieben Jahre zurückliegenden ersten Einzelausstellung in der Galerie zeigte Martin Meiswinkel intensiv farbige Bilder und reliefartige Wandobjekte mit perfekt ausgearbeiteten Oberflächen. Mit Hilfe von Verzerrungen, gezielter Farbanordnung oder illusionistischen Perspektiven überschritten die Formelemente die Bildebenen, ohne sich zu diesen Ebenen eindeutig zu verhalten.

In der aktuellen Ausstellung „Anordnungen“ sind die Farben stark zurückgenommen, Oberflächen sind von dem Material und dessen spezifischen, nicht immer vorhersehbaren Eigenschaften mitbestimmt, die ornamentale Rhetorik ist verschwunden. Geblieben sind die grundlegenden Fragestellungen der Malerei:
Wodurch und wie wird ein Bild ein Bild und wie ist das Verhältnis von „Motiv“ zu Bildträger? Wie entsteht aus einer zweidimensionalen Anordnung von Farbflächen ein Bildraum, wie kann der Übergang zu einer dreidimensionalen Konstruktion aussehen? Wo endet ein Bild und welchen Einfluss nimmt ein Rahmen auf das Bild?

Während Martin Meiswinkel seine Bilderfindungen früher vor ihrer Ausführung meist vollständig durchdacht, am Computer konstruiert und mit absoluter Präzision ausgeführt hat, entwickelt er die aktuellen Arbeiten prozesshaft und spielt mit Zufallsmomenten. Jeder neue Eingriff ist eine Reaktion auf zuvor Entstandenes. Die Materialauswahl provoziert Unvorhersehbares, auf das der Künstler antworten - oder es verwerfen muss. So nutzt er beispielsweise als Druckstöcke Industriehölzer, billiges Material, das für die Härte des Druckvorgangs eigentlich ungeeignet ist und sich bei jedem Druckvorgang unberechenbar verändert. Es entstehen daher in der Regel nur sehr kleine Auflagen, manchmal lediglich Unikate.

Martin Meiswinkel setzt spannungsvoll formale Strenge gegen Prozesshaftigkeit, minimalistische Reduktion gegen sensible Materialität. Damit wird der Kunst eine andere Aufgabe zugewiesen, als die dominante Rationalität der modernen Zivilisation in sich zu reproduzieren. Sie ist ein ständiges Verhandeln zwischen dem So-ist-es und dem möglichen Anderssein.